Schriftbeispiele

Handschriften vergangener Jahrhunderte lesen lernen, ist gar nicht so schwer. Legen Sie die Schrifttafel und eines der Schriftbeispiele nebeneinander - und schon kann die Reise beginnen.

Handschriften unterlagen seit dem Spätmittelalter einem kontinuierlichen Wandel. Im 17. Jahrhundert schrieb man anders als im 19. Jahrhundert. Aus diesem Grunde finden Sie auf dieser Seite Schriftbeispiele aus unterschiedlichen Jahrhunderten mit einer Transkription. Um das Verständnis des Satzes zu erleichtern, wurden Groß- und Kleinschreibung sowie die Interpunktion normalisiert.

Schrifttafel

Die Schrifttafel stammt aus

Kurt Dülfer/Enno Korn: Schrifttafeln zur deutschen Paläographie des 16.-20. Jahrhunderts, Teil 1.2 (Veröffentlichungen der Archivschule Marburg, 2), 3. Auflage, Marburg 1973.

Die Autoren stützten sich bei der Erstellung der Tafel auf Carl Faulmann, Das Buch der Schrift, enthaltend die Schriftzeichen aller Zeiten und aller Völker des Erdkreises, Wien 1880. mehr

Schriftbeispiele des 17. Jahrhunderts

Schriftbeispiel des 17. Jahrhunderts

1685-Dezember-2, Berlin 

Kurmärkisches Konsistorium, an Kurfürst Friedrich Wilhelm von Brandenburg: Erneuerung des Verbots abend- und sonntäglicher Trauungen 

GStA PK, I. HA Geheimer Rat, Rep. 47 Geistliche Angelegenheiten, Tit. 5 a 1 Paket 3. Bericht. Behändigte Ausfertigung. 

Durchleüchtigster Churfürst 
Gnädigster Herr, 

Ew[er] Churf[ürstlichen] Durch[laucht] geben wier in Unterthänigkeit zuvernehmen, wasgestalt der Inspector zu Neustadt Eberswalde berichtet, daß unter seiner Inspection diese ärgerliche Gewohnheit eingerißen were,... mehr 

[1695-November-29], Berlin 

Eid des Archivars Hermann Recke

GStA PK, I. HA Geheimer Rat, Rep. 9 Allgemeine Verwaltung, O2 Fasz. C13

Nachdem der durchlauchtigste Fürst und Herr, Herr
Friderich der dritte, Marggraf zu Brandenburg,
des heyl[igen] Röm[ischen] Reichs Ertz Cammerer und Churfürst,
in Preußen, zu Magdeburg, Cleve, Jülich, Berge,
Stettin, Pommern, der Caßuben und Wenden,
auch in Schlesien zu Croßen Hertzog, Burggraff zu
Nürnberg, Fürst zu Halberstadt, Minden und Ca-
min, Graff zu Hohen Zollern, der Marck und Ra-
vensberg, Herr zu Ravenstein, und der Lande
Lauenburg und Bütow, Mich Hermann Reeck
zu dero Geheimen Secretarium bey dero gehei-
men Hoff-Archivo und Adjuncto Archivarii gnä-
digst bestellet und angenommen, Als gelobe
und schwere Ich zu Gott den Allmächtigen
einen Cörperlichen Eyd, daß Ihro Churfürstl[icher]
Durchl[aucht] und dero Churfürstl[ichem] Hause Ich getreu,
hold und gewärtig seyn, dero nutzen und bestes
eußerstem meinen vermögen nach befordern,
schaden und nachtheil dahingegen verhüten
und abwenden; Insonderheit aber, was mir... mehr 

Schriftbeispiele des 18. Jahrhunderts

Schriftbeispiel des 18. Jahrhunderts, Vorderseite
Schriftbeispiel des 18. Jahrhunderts, Rückseite

1730-November-12, Königs Wusterhausen 

König Friedrich Wilhelm I. in Preußen, an Feldprediger Müller vom Kürassierregiment Gens d'Armes: Bekehrung des in Küstrin inhaftierten Kronprinzen Friedrich 

GStA PK, BPH, Rep. 47 Friedrich der Große, Nr. 14-2. Kabinettsordre. Behändige Ausfertigung. Bemerkung: die sonst für eine Kabinettsordre typische Anrede 'Mein lieber Herr' hier mit Blick auf die geistliche Würde des Empfängers variiert zu 'Würdiger, lieber Getreuer'. 

Würdiger, lieber Getreuer! Ich habe Euer letzteres Schreiben wohl erhalten, und gebe Euch darauf in Antwort, daß, wenn Ihr findet, daß Ihr dorten noch mit Nutzen bleiben könnet, und Hoffnung habet, des Cronprintzen Hertze mehr und mehr zu gewinnen, auch ihm seine schwere Irrthümer aus dem Sinn zu bringen, Ihr Euch dorten noch länger aufhalten und an seiner Bekehrung arbeiten könnet. Soltet Ihr aber finden, daß Ihr nichts außrichtet, so sollet Ihr nur wieder nach Berlin reysen. Indeßen befehle ich Euch nochmahlen und binde es Euch auf Eure Seele, daß Ihr alles, was auf der Welt nur möglich ist, anwenden sollet, dem Cronprintzen den schweren Irrthum des Particularismi zu benehmen, und daß er nicht glaube, es hänge alles Gute und Böse in der Welt von einer besonderen Fatalité, der niemand entgehen könne. mehr

Schriftbeispiel des 19. Jahrhunderts

1745-November-28, Berlin 
Generalmajor Johann Christoph Karl Graf von Hake, an König Friedrich II. in Preußen: Auswirkungen des Sieges bei Katholisch-Hennersdorf auf die Stimmung der Berliner Bevölkerung 

GStA PK, I. HA Rep. 96 Geheimes Kabinett, Nr. 83 Lit. KK. Immediatbericht. Behändigte Ausfertigung. 

Es hat ew[er] König[lichen] Majestaet gnädiges Schreiben vom 25. hujus daß höchst dieselbe abermahls mit göttlicher Hülffe sowohl die Sachsen als Österreicher geschlagen und gejaget, bey denen hiesigen sämtlichen Einwohnern, hohen und niederen, eine große Freude veruhrsachet, zumahlen alhier unter vielen absonderlich aber unter denen Frauens eine große Furcht entstanden wegen des... mehr​​​​​​

Schriftbeispiele des 19. Jahrhunderts

Schriftbeispiel des 19. Jahrhunderts

1834-Juli-29, Berlin 
Beschreibung der dem F. A. Egells patentierten Maschine zur Aufbereitung von Kartoffeln für die Schnapsbrennerei 

GStA PK, I. HA Rep. 120 TD Technische Deputation, Patente Schriften Nr. E 20. Instruktion. Reinschrift. 

Beschreibung und Erläuterung der Zeichnung einer Maschine zum Quetschen und Einmaischen von Ertoffeln zur Brandweinbrennerei 

Diese Maschine in welcher die gedampften Ertoffeln zu gleicher Zeit gequetscht und gemaischt werden und deshalb ausser der halben Kraftersparniß des Quetschens mit Walzen, auch diese selbst so wie der Vorrath-Bottig, überflüßig macht gewährt noch den Hauptvortheil, daß die Ertoffeln unmittelbar nachdem sie zerkleinert sind... mehr

1875-Juni-01, Berlin 
Konstruktionszeichnung und Beschreibung eines Bügelverschlusses für Flaschen

GStA PK, I. HA Rep. 120 TD Technische Deputation, Patente Schriften Nr. D 58. 

Durch die verschiedenen Unzuträglichkeiten
die beim Korken der Flaschen entstehen,
als Zerspringen derselben, zu fest zu lose
sitzen der Pfropfen, und vor allen Dingen
durch die Kostspieligkeit besagten Mate-
rials wurde der Erfinder veranlaßt
einen Verschluß herzustellen der von die-
sen Mängeln frei, sicher in seiner Funk-
tion ist, und somit das Bequemste und
Billigste für Restaurateure, Bierverleger,
Selterwasserfabrikanten etc bildet.
Der Verschluß besteht aus einem aus Zinn
gegossenen Pfropfen a der in der Mitte
durchbohrt ist und worin ein schirmförmi-
ges Stück Gummi b, das Dichtungs Material,
vermittelst des Drahthebels c befestigt ist.
Der Drahthebel c hat an jedem Ende einen
Haken, welcher in eine Oese d des Bü-
gels e eingreift und daher allen Bewegun-
gen desselben folgen muß. Der Bügel e
sitzt seinerseits an einem Ring mit Ösen... mehr

Schriftbeispiel des 20. Jahrhunderts

1917-Oktober-24, Teltow
Kriegsstatistik des Seminars Friedberg/Neumark, 1914–1919

GStA PK, I. HA Rep. 76 Seminare - Preußische Lehrerbildungsanstalten, Nr. 3940. 

Sehr geehrter Herr Direktor!

Antwortlich Ihres sehr geehrten
Schreibens teile ich Ihnen erg[ebendst]
mit, daß mein Sohn, der Mus-
ketier Karl Schrader am 15. Juli
1917 vor Verdun durch Artillerie-
geschoß schwer verwundet wurde
u[nd] am 20. Juli im Feldlazarett... mehr

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