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Die Schlacht von Jena und Auerstedt - Augenzeugenbericht
News vom 21.10.2026
Am 14. Oktober 1806 floh König Friedrich Wilhelm III. im Anschluss an die verlorene Doppelschlacht von Jena und Auerstedt nach Küstrin, wo er mit seiner Frau Königin Luise zusammentraf. In seinem Brief vom 15. Oktober schildert er ihr seine Erlebnisse vor Ort.

König Friedrich Wilhelm III von Preußen an Königin Luise
Sömmerda, den 15. Oktober 1806
Der gestrige Tag ist einer der unglücklichsten und traurigsten meines Lebens gewesen, wir haben Bataille gehabt, und zwar an drei Orten zugleich. Unsere Armee stieß gleich hinter Auerstedt zwischen Rehausen und Poppel auf den Feind. Ein starker Nebel, der die ganze Gegend verhüllte, begünstigte alle bereits vorbereiteten Bewegungen des Feindes, den man für weit schwächer allen Nachrichten zufolge hielt, als er leider war. Man glaubte anfänglich, nur mit drei Regimentern Chasseurs zu tun zu haben. Dies verleitete Blücher mit seiner Kavallerie und zu vieler Kavallerie zu rasch vorzugehen, wobei gleich viel Menschen durch Kartätschfeuer verloren gingen, die Kavallerie durch das viel zu lange Halten kopfscheu gemacht wurde und zwei reitende Batterien fast gänzlich in wenigen Augenblicken vernichtet wurden. Die Infanterie kam endlich. Ich selbst ordnete den Aufmarsch der Schmettau’schen Division, der Herzog der der Wartensleben’schen. Man konnte nicht rasch genug zum Avancieren kommen, da es immer hieß, daß es nur ein schwaches Korps sein könnte. Beide Divisionen traten ziemlich zu gleicher Zeit an. Die Kanonenkugeln pfiffen schon höllisch um und über uns. Ich ritt zur Wartenleben’schen Division, die schon im kleinen Gewehrfeuer war. Das zweite Bataillon Heinrich riß aus. Ich hieb mit dem Degen in die Flüchtlinge, aber umsonst. Die magdeburgischen Regimenter waren noch nicht ganz formiert, als schon die kleinen Kugeln um uns einschlugen, wobei mein polnischer Schimmel durch die Brust geschossen wurde, daß ich beinahe herunterfiel und die ganze übrige Zeit der Bataille ein Pferd von General Zastrow geritten habe. Zu gleicher Zeit hatte der Herzog das entsetzliche Unglücke, durch beide Augen geschossen zu werden. Ich kam sogleich dazu, wie ihn eben zwei Grenadiere vom Bataillon Hanstein unterstützten. Der Anblick war schauderhaft. Ich weiß nichts weiter von ihm. Die Division des Prinzen von Oranien kam wohl über 1 ½ Stunden später zum Aufmarsch wegen des Defilées von Auerstedt und der Bagage. Sie ward zum Soutien des rechten und linken Flügels geteilt. Die große Reserve kam aus ähnlichen Ursachen außerordentlich spät heran. Die Füsilade und Kanonade dauerte ununterbrochen auf das hartnäckigste fort, ohne das ein Teil weichen wollte. Einige Bataillone leider wichen und verstreuten sich jedoch auf die schändlichste Art. Die Kavallerie wollte nicht auf die Infanterie einhauen. Quitzow und Irwing haben sich vorzüglich gut ausgezeichnet. Lange blieb das Gefecht unentschieden. Schon ward unsere linke Flanke umgangen. Zuletzt mußten die Truppen der Übermacht und den beständig frischheranrückenden Truppen weichen. Sie erhielten die Ordre zum Rückzug. Die Reserve deckte ihnen diesen, ist zusammen und hat seit gestern früh in einem Zuge bis hierher 9 – 10 Meilen zurückgelegt. Die drei übrigen Divisionen Infanterie, so eigentlich im Feuer gewesen, sind leider gänzlich aufgelöst. Ich weiß nicht, was aus ihnen geworden ist. Alles, was noch lebt, läuft einzeln herum. Kalckreuth zog sich mit der großen Reserve mit vieler Ordnung bei und durch Auerstedt zurück, ohne vom Feinde anders als mit Kanonenkugeln verfolgt zu werden. Die Retraite sollte auf Weimar gehen. Schon war die halbe Kolonne der noch existierenden siebzehn Bataillone und einige Kavallerie bis in die Gegend gekommen, wo ich Dir zum letzten Male die Hand drückte, als man die Franzosen in großen Haufen hinter Apolda bemerkte. Hohenlohe und Rüchel nämlich, wovon ich nicht das geringste ahnte, waren gleichfalls angegriffen und zerstreut worden. Diese Kolonne mußte daher auf der Chaussee umkehren und sich längs dem Grunde auf Nebenwegen fortstehlen. Es war finster geworden, wir waren ganz mit Franzosen umringt, ich an der Spitze mit den Überbleibseln von Heising und Irwing, gefaßt, uns durchzuhauen, die Infanterie preiszugeben. In dem nächsten Dorfe vor Weimar griffen wir fünf Chasseurs, die fast in der Dunkelheit unbemerkt geblieben waren. So schlichen wir uns, glücklicherweise mit guten Boten aus den Dörfern versehen, bei den Wachtfeuern der Franzosen durch, ohne etwas zu verlieren und bemerkt zu werden. Welches Glück! Die Zahl der Toten und Verwundeten ist sehr, sehr ansehnlich. Der Herzog so gut wie tot, Möllendorff Kontusionen an beiden Beinen und jetzt vermißt. Rüchel sehr schwer am Herzen blessiert. Schmettau unterm linken Auge durchschossen. Heinrich ein Streifschuss, wie man sagt, bis jetzt Vermisst. Wilhelm das Pferd erschossen, hierbei einen schweren Fall auf den Kopf getan. General Schimonsky tot. Major Schenk tot. General Quitzow den Fuß abgeschossen, - noch andere sagen, tot. Major Ebra und Krafft tot. Major Herwarth tot usw. usw. – Also brav ist man denn doch im Ganzen, gottlob, gewesen. Alle in nicht glücklich!
Der Feind scheint uns umgehen zu wollen, und umschließt uns von allen Seiten. Allgemein meint man, daß ich nach Magdeburg abreisen soll; ich bin gerade dabei. Ich habe kein Gepäck, kein Hemd, mach Dich sofort auf den Weg und bringe mir einiges zum Säubern. Lebe Wohl
Abschrift aus: Briefwechsel der Königin Luise mit ihrem Gemahl Friedrich Wilhelm III. Herausgegeben von Karl Griewank
Original: GStA PK, BPH, Rep. 49 J Nr. 222.
Das Königspaar traf sich um den 20. Oktober erst wieder in Küstrin. Napoleon zog am 27. Oktober 1806 in Berlin ein. Die Katastrophe von Jena und Auerstedt, der folgende Staatsbankrott und der Friede von Tilsit führten zu den Preußischen Reformen und der Neuordnung des Staates.
Originalbrief: GStA PK, BPH, Rep. 49 J Nr. 222.
Originalbrief: GStA PK, BPH, Rep. 49 J Nr. 222.
Originalbrief: GStA PK, BPH, Rep. 49 J Nr. 222.
Originalbrief: GStA PK, BPH, Rep. 49 J Nr. 222.

