Von Preußen nach Pennsylvania. Steubens Reise auf der ‚Flamand‘ und der Weg zur amerikanischen Unabhängigkeit

News vom 29.06.2026

Wir erinnern an die amerikanische Unabhängigkeitserklärung vor 250 Jahren! Das Geheime Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz zeigt aus diesem Anlass eine Rekonstruktion der „Flamand“, mit der Friedrich Wilhelm von Steuben nach Amerika fuhr. Es erinnert damit an Steubens entscheidenden Beitrag zur militärischen Neuordnung der jungen republikanischen Nation.

"We the people"

Neben diplomatischen Gesandtschaftsberichten und Verhandlungen lassen sich im Geheimen Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz (GStA PK) Spuren prägender Akteure finden. Friedrich Wilhelm von Steuben sticht dabei besonders hervor. Der preußische Offizier und spätere General im Krieg um die Unabhängigkeit erreichte 1777 an Bord der Fregatte „Flamand“ das revolutionäre Amerika. Das GStA PK erinnert mit einer Rekonstruktion der Fregatte an Steubens Überfahrt und seinen entscheidenden Beitrag zum Unabhängigkeitskrieg.

Steuben in preußischen Diensten – Anwerbung für die amerikanische Sache

Der 1730 im preußischen Magdeburg geborene Steuben tritt wie sein Vater in die Armee Friedrichs des Großen ein und erhält als dessen Adjutant Generalstabsunterricht. Am Ende des Siebenjährigen Krieges muss Steuben nach 17 Jahren den Dienst quittieren, da Preußen drastische Sparmaßnahmen ergriffen hat.

Nach der Militärzeit findet Steuben Anstellung als Hofmarschall bei Fürst Joseph Wilhelm zu Hohenzollern-Hechingen. Auf der Suche nach einem neuen Betätigungsfeld tritt Steuben in Paris in Kontakt mit dem amerikanischen Gesandten, Benjamin Franklin, und erhält bei Verhandlungen ein Empfehlungsschreiben für die Kontinentalarmee sowie freie Überfahrt nach Amerika.

Die Überfahrt mit der Fregatte „Flamand“

Mit der 1763 in Marseille gebauten Fregatte „L‘Heureux Triomphant“ fährt Steuben nach Amerika. Offiziell führt sie Wein, Schwefel und Gemüse. Tatsächlich befinden sich Waffen und Munition für die amerikanische Kontinentalarmee an Bord. Auch Steuben reist unter falscher Identität: In den Passagierlisten erscheint er als „Mr. Frank“ – angeblich soll er diplomatische Depeschen für den französischen Gouverneur von Martinique überbringen.

Durch die Umbenennung des Schiffes in „Flamand“ können die eingeleiteten Untersuchungen gegen das Vorhaben umgangen werden, sodass die Fregatte am 26. September 1777 den Hafen von Marseille verlassen kann. Die Überfahrt über den Atlantik dauert rund neun Wochen und ist von starken Stürmen geprägt. Schließlich erreicht das Schiff Anfang Dezember Portmouth in New Hampshire.

Zum Vertrauten Washingtons – ein Preuße formt die Armee

Am 23. Februar 1778 trifft Steuben im Winterquartier von Valley Forge in Pennsylvania auf eine hungernde und demoralisierte Truppe: Die Kontinentalarmee leidet unter Desertionen, fehlender Ordnung und kaum militärischer Disziplin.

Aufgrund seiner praktischen Erfahrung im Militär gelingt es Steuben eine disziplinierte, manövrier- und kampffähige Armee zu formen. So gewinnt er das Vertrauen von George Washington, der ihn offiziell mit der Ausbildung der Soldaten betraut und zum Generalinspekteur ernennt. Steuben wird verantwortlich für Disziplin, Instruktion und Organisation der Armee. 

Mit der Schlacht bei Monmouth am 28. Juni 1778 erringt die amerikanische Armee einen wichtigen Sieg, der sich als Wendepunkt im Unabhängigkeitskrieg herausstellt. Auch an der Kapitulation des britischen Expeditionskorps unter Charles Cornwallis bei Yorktown im Oktober 1781 ist Steuben beteiligt. Der Friede von Paris 1783 besiegelt schließlich die Unabhängigkeit der dreizehn Kolonien von Großbritannien. Preußen anerkannte die Souveränität des neuen Staates durch den Freundschafts- und Handelsvertrag, den ersten Vertrag, den die Konföderierten Staaten von Amerika überhaupt schlossen (für Details s. hier).

Steubens fortwirkendes Vermächtnis und Andenken

1794 stirbt Friedrich Wilhelm von Steuben nach kurzer, schwerer Krankheit. Sein Reglement, die „Regulations for the Order and Discipline of the Troops of the United States“ von 1778/9 – bekannt als „Blue Book“ –, prägt die militärische Ausbildung in den Vereinigten Staaten bis weit ins 19. Jahrhundert. An preußischen Traditionen orientiert, ist es zugleich auf die Anforderungen einer republikanischen Armee zugeschnitten: Ausbilder werden angehalten, ihre Soldaten nicht zu beschimpfen, sondern Geduld und Mäßigung bei der Ausbildung zu üben.

Steuben wird zur Symbolfigur der deutsch-amerikanischen Freundschaft. Bis heute erinnert die Steuben Parade in New York City an sein Wirken. Auch im Stadtbild lebt sein Andenken fort: Abgüsse des 1910 errichteten Denkmals im President’s Park, Washington D. C., stehen in Steubens Geburtsstadt Magdeburg, in Potsdam sowie in Berlin-Zehlendorf gleich gegenüber der konsularischen Abteilung der Vereinigten Staaten von Amerika.

Die Stiftung Preußischer Kulturbesitz gedenkt der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung mit mehreren Veranstaltungen und Ausstellungen. Die Foyerausstellung mit der „Flamand“ ist ein Teil dieser Initiative. Das gesamte Programm kann hier oder auf der Seite der SMB eingesehen werden.