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Patente »musikalischer Instrumente« – Neuerscheinung online
News vom 10.03.2026
Eine kommentierte Quellensammlung des GStA PK und des SIM PK gibt Einblicke in Funktionsweisen und Innovationsprozesse im Musikinstrumentenbau des 19. Jahrhunderts.

Geige, Tuba, Triangel: Jedermann kennt diese Musikinstrumente. "Terpodion" hingegen, "Psallmelodion" oder "Xylo-Melodikord" sind nicht in unsere Konzertsäle und damit ins Bewußtsein der breiten Öffentlichkeit vorgedrungen – leider, möchte man im einen oder anderen Falle sagen, denn welche Komposition gewönne beispielsweise nicht durch den Einsatz des "Pyrophons", der Flammenorgel? Dieses Instrument gehört wie die anderen genannten zu den großen und kleinen Erfindungen auf musikalischem Gebiet, die von ihren Erfindern im 19. Jahrhundert der königlich preußischen Technischen Deputation für Gewerbe zur Prüfung vorgelegt wurden, in der Hoffnung auf Patentierung und natürlich kommerzielle Nutzung. Nicht jede Erfindung wurde patentiert, nicht jede war erfolgreich, aber alle sind sie für die Musikwissenschaft von großem Interesse.

"Methode, den Stimmstock in Pianofortes und anderen ähnlichen Saiten-Instrumenten zu formen und anzubringen". Erfindung des Instrumentenmachers Johann Christian Andrée von 1828. GStA PK, I. HA Rep. 120 TD, Patente Schriften A, Nr. 25.
Die jetzt vorliegende Neuerscheinung bietet einen umfassenden Kommentar zu einigen dieser im Geheimen Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz verwahrten Patentvorgängen zu „musikalischen Instrumenten“ (so die Bezeichnung der preußischen Beamten). Diese Dokumentation zur Entwicklung des Musikinstrumentenbaus im Preußen des 19. Jahrhunderts ist das Ergebnis eines Kooperationsprojekts zwischen dem GStA PK und dem Staatlichen Institut für Musikforschung Preußischer Kulturbesitz. Dabei wurden sämtliche zum Musikinstrumentenbau im GStA vorhandenen Patentunterlagen des preußischen Ministeriums für Handel und Gewerbe und der Technischen Deputation für Gewerbe aus dem Zeitraum von 1815 bis 1877 digitalisiert und zur Online-Recherche zur Verfügung gestellt. Die vorliegende Darstellung gibt in sieben Kapiteln Einblicke in eine Auswahl der insgesamt 92 Überlieferungen zu gewährten Patenten sowie zu einigen der zahlreichen abgelehnten Anträge. Die Publikation verbindet dabei organologische Analysen mit kultur-, sozial- und wissenshistorischen Fragestellungen. Die kommentierten Quellen machen zum einen Netzwerke von Erfinder*innen, Musikschaffenden und herstellenden Betrieben sichtbar und stellen zum anderen Bezüge zu erhaltenen Objekten her. Dadurch werden überlieferte schriftliche Konstruktionsbeschreibungen unmittelbar mit materiellen Überlieferungen verknüpft und so Einblicke in die Funktionsweisen und Innovationsprozesse im Musikinstrumentenbau der Zeit gegeben.
Die Online-Publikation ist ab sofort im Stiftungs-Repository "SPKtrum" einsehbar.

