Überlieferung des Preußischen Kultusministeriums online zugänglich

News vom 28.10.2019

Mehr als 60.000 onlinegestellte Verzeichnungseinheiten der Überlieferung des Preußischen Kultusministeriums erleichtern die Recherche nach Quellen zur Kultur- und Wissensgeschichte des 19. und 20. Jahrhunderts.

Einsteins Akte
© Geheimes Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz / Bildstelle

Das nunmehr veröffentlichte Onlinefindbuch des im Geheimen Staatsarchiv PK verwahrten Bestandes GStA PK, I. HA Rep. 76 Kultusministerium bildet die Überlieferung des 1817 gegründeten und bis 1934 bestehenden Preußischen Ministeriums der geistlichen, Unterrichts- und Medizinalangelegenheiten – kurz Kultusministerium genannt – ab.

Zentrale Themen

- Religionsgemeinschaften

Die insgesamt 60.213 Verzeichnungseinheiten, die etwas mehr als 2.400 laufenden Metern entsprechen, belegen die grundsätzliche Arbeitsweise der Behörde und ihrer zentralen Themenkomplexe. So dokumentieren allein mehr als 10.000 Aktenbände die Geschichte der evangelischen und der katholischen Kirche und ihrer Einrichtungen, aber auch des Judentums und weiterer Glaubensgemeinschaften sowie von geistliche Orden und ordensähnlicher Kongregationen.

- Bildung, Wissenschaft und Forschung

Umfangreicher sind die Quellen zum preußischen Schulwesen (circa 12.000 Verzeichnungseinheiten), das sich in höheres Schulwesen und Volksschulwesen unterschied. Von etwa gleichem Umfang ist die Überlieferung zu den Universitäten und Hochschulen sowie den ihnen angeschlossenen Instituten und Forschungseinrichtungen. Dabei umfassen die Überlieferungsteile nicht nur Schriftgut der preußischen Hochschulen, sondern vermitteln auch Informationen über das Hochschulwesen des Auslandes.

Die Koordinierung der wissenschaftlichen Forschung, wie sie denn in Akademien, Verbänden und Vereinen, Gesellschaften und Stiftungen, Instituten und Anstalten in Preußen sowie im Ausland gepflegt und vermittelt wurde, ist in knapp 3.000 Aktenbänden nachgewiesen. Von besonderem Interesse sind hier zumeist die wissenschaftlichen Unternehmungen und Expeditionen.

- Künste und Museen

Einen sehr geringen Anteil der Überlieferung des Kultusministeriums machen die Kunstsachen aus. Mit nicht einmal 2.000 Archivalieneinheiten gibt die lückenhaft überlieferte Dokumentation unter anderem Auskunft über Kunstakademien und Kunstinstitute, Kunstlehranstalten, Museen und ihre Ausstellungen sowie über Kunst- und Künstlervereine; besondere Bedeutung haben hier Archivalien zum Erwerb von Kunstgütern für die Berliner Museen.

- Gesundheit und Medizin

Abschließend sei noch auf den Themenkomplex der Medizinalüberlieferung hingewiesen, die mit knapp 12.000 VE eine umfangreiche Quelle zur Geschichte der Medizin und des Gesundheitswesens darstellt. Dabei belegen sie die Organisation und Arbeitsweise der preußischen Medizinalbehörden, Ausbildung und Einsatz des medizinischen Personals sowie die Einrichtung und Nutzung medizinischer Einrichtungen, aber auch deren Wirken in Fragen der Hygiene, der Jugendfürsorge und bezüglich des allgemeinen Gesundheitszustands der Bevölkerung; zum Teil sind auch Informationen über das außerpreußische Medizinalwesen überliefert.

Retrokonversion und Tiefenerschließung

Grundlage der nun über die Online-Archivdatenbank des Geheimen Staatsarchivs Preußischer Kulturbesitz zugänglich gemachten digitalen Erschließung sind die in ursprünglich 46 (hand- oder maschinenschriftlichen) Findbüchern zusammengefassten archivalischen Nachweisungen. Diese wurden zu großen Teilen in retrokonvertierter Form unter Beibehaltung des ursprünglichen Aktentitels und der Laufzeiten übernommen. Darüber hinaus sind einige Überlieferungsteile bereits überarbeitet beziehungsweise auch neuverzeichnet und inhaltlich tiefenerschlossen. Diese Bearbeitung wird sukzessive auf den gesamten Bestand ausgeweitet, weshalb das Onlinefindbuch in regelmäßigen Intervallen aktualisiert werden wird. Bis zum Abschluss der vollständigen Überarbeitung bzw. Neuverzeichnung müssen Mängel und Unzulänglichkeiten bei den Titelaufnahmen und Formalangaben in Kauf genommen werden.

Die Entscheidung zur Präsentation des Archivbestandes in seinen höchst unterschiedlichen Erschließungstiefen ist dem seit Jahren andauernden großen Interesse an der Erforschung der Kultur- und Wissensgeschichte Preußens im 19. und 20. Jahrhundert geschuldet. Wenngleich die einfache Retrokonversion nicht mehr dem zeitgenössischen Anspruch archivischer Erschließungsinformationen entspricht, so ermöglicht sie zumindest einen ersten und schnellen Zugriff auf die Quellen. Der erweiterten Verzeichnung liegen vor allem inhaltliche Überlegungen, die auf den bei der mündlichen und schriftlichen Auskunftserteilung schwerpunktmäßig nachgefragten Themenbereichen beruhen, zugrunde.

In der Gesamtheit all seiner Bearbeitungsstufen gibt das online präsentierte und stetig aktualisierte Findbuch zum Bestand GStA PK, I. HA Rep. 76 Kultusministerium deshalb einen Einblick in die historische und zeitgenössische Aufbereitung und Tradierung von Erschließungsinformationen unter jeweiliger Schwerpunktsetzung und stellt so ein lebendiges und transparentes Zeugnis archivischer Informationspraxis und Wissensgeschichte dar.

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