Ostpreußisches Familienarchiv steht nun der Forschung offen

News vom 22.02.2024

Durch eine Schenkung der Grafen zu Eulenburg steht deren Familienarchiv nun der Wissenschaft zur Verfügung. Mittelalterliche Urkunden sowie Chroniken und Fotografien lassen die Geschichte Ostpreußens lebendig werden.

Durch die Schenkung der Grafen zu Eulenburg gelangte unter anderem eine Urkunde von 1492 ins Geheime Staatsarchiv PK, © GStA PK/Vinia Rutkowski
Durch die Schenkung der Grafen zu Eulenburg gelangte unter anderem eine Urkunde von 1492 ins Geheime Staatsarchiv PK, © GStA PK/Vinia Rutkowski

Wir freuen uns, eine großzügige Schenkung bekannt zu machen, durch die ein weiteres ostpreußisches Familienarchiv nun für die Forschung zugänglich geworden ist. Im Jahr 2023 gelangte der Schenkungsvertrag zum Abschluss, mit welchem Richard und Moritz Grafen zu Eulenburg Teile ihres Familienarchivs an das Geheime Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz übergaben. Es enthält Urkunden und andere Schriftstücke des 14. – 20. Jahrhunderts, die ursprünglich aus dem Prasser Gutsarchiv des ostpreußischen Zweigs der Familie zu Eulenburg stammen. Seit dem 14. Jahrhundert war ein Zweig der Familie im Ordensstaat bzw. im späteren Herzogtum Preußen ansässig. Ihre wichtigsten ostpreußischen Güter waren Leunenburg, Prassen und Gallingen.

Ein Teil der nun zugänglichen Archivalien war der Forschung inhaltlich bereits bekannt, da sie im Jahr 1879 im Auftrag der Familie von Georg Adalbert von Mülverstedt publiziert worden waren. Zwar beklagte dieser bereits „die bekannten allgemeinen Schicksale der Archive alter Adelsgeschlechter […] zumal in Preußen“, doch war im „Gräflich Eulenburgischen Familienarchiv“ offenbar noch eine nennenswerte Anzahl von Urkunden und Dokumenten erhalten. Seit einer weiteren Urkundenedition aus dem Prasser Archivbestand durch den Historiker Karl Borchardt im Jahr 1999 war zudem bekannt, dass Teile des Familienarchivs die beiden Weltkriege überdauert haben. 

Seit 1909 lebten Antonie Gräfin zu Eulenburg, geb. Gräfin zu Stolberg-Wernigerode (1880-1969) und Friedrich Graf zu Eulenburg (1874-1937) mit ihrer Familie auf dem Gut Prassen (Kreis Rastenburg). Die Rettung der Familienarchivalien 1944/45 ist nach Schilderung des Schenkenden, Richard Graf zu Eulenburg, vor allem seiner Großmutter Antonie zu verdanken. Sie verbrachte diese rechtzeitig vor der sowjetischen Besetzung des Gutes westwärts.

Zwar ist das Familienarchiv offenbar nur noch fragmentarisch überliefert, die erhalten gebliebenen Archivalien verdienen jedoch Aufmerksamkeit. Neben den mittelalterlichen Urkunden der preußischen Ordenszeit enthält der Bestand weitere bedeutende Quellen aus allen Epochen. Zu nennen ist vor allem das Reisetagebuch von der mehrjährigen Europareise von Georg Friedrich zu Eulenburg und Ahasver von Lehndorff in den Jahren 1652 bis 1664, welches ihr Hofmeister Simon Segers verfasst hatte und das hier in einer zeitgenössischen Abschrift erhalten ist.  Aber auch die Familienchronik von Antonie Gräfin zu Eulenburg in vier Bänden aus der Zeit von 1863-1956 sowie ein Fotoalbum des Gutes Prassen von 1909 ermöglichen kulturhistorische Einblicke in die adlige ostpreußische Gutsherrschaft und deren Ende 1945.

Im Geheimen Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz sind diese Archivalien nun fachgerecht verpackt, gelagert und erschlossen. Sie werden restauratorisch betreut und können auf Wunsch durch unsere Digitalisierungswerkstatt digitalisiert werden. Ein Gewinn für alle! Vielen Dank an die Familie der Grafen zu Eulenburg!