Volksbibliotheken in Oberschlesien

News vom 28.02.2022

Im Rahmen des Internationalen Stipendienprogramms am GStA PK konnte Dr. habil. Zdzisław Gębolyś seine Forschungen zu Volksbibliotheken in Oberschlesien 2021 trotz der Corona-Pandemie fortsetzen. Das Internationale Stipendienprogramm wird jährlich ausgeschrieben und richtete sich an Forschende mit Wohnsitz im Ausland. Lesen Sie im Folgenden den Bericht von Dr. habil. Zdzisław Gębolyś.

Acta generalia betreffend die Errichtung von Volksbibliotheken (1845 bis 1897), Signatur: I. HA Rep. 77, Tit. 78, Nr. 29, Bd. 1
Acta generalia betreffend die Errichtung von Volksbibliotheken (1845 bis 1897), I. HA Rep. 77, Tit. 78, Nr. 29, Bd. 1

Forschungsbericht von Dr. habil. Zdzisław Gębolyś von der Kazimierz-Wielki-Universität in Bydgoszcz (Bromberg, Polen):

Den zwischen 1871 und 1921 in Oberschlesien bestehenden deutsch- und polnischsprachigen Volksbibliotheken kommt eine besondere Bedeutung zu. Diese trugen zur Verbreitung der polnischen oder der deutschen Sprache bei, förderten die Lesekultur und bildeten einen wichtigen Bestandteil der politischen und kulturellen Lebenswirklichkeiten in Oberschlesien. Zugleich verstärkten sie nationale Ideen und Identitäten. 

Bis zum Ende des 18. Jahrhunderts war die Nutzung von Bibliotheken eine Domäne der Aristokratie, des Klerus, der Beamten- und Lehrerschaft. Erst nach 1848, mit der fortschreitenden Liberalisierung der politischen und zum Teil auch der nationalen und religiösen Beziehungen, wurden Bibliotheken auch für die breite Öffentlichkeit eingerichtet. Im Jahr 1905 gab es in Schlesien bereits 193 ständige Volksbibliotheken und 124 Wanderbibliotheken. Hinzu kamen Schulbibliotheken sowie mehrere Arbeiterbibliotheken. Bis 1922 bildeten die deutschen und polnischen Volksbibliotheken sowohl inhaltlich als auch qualitativ den wichtigsten Zweig des oberschlesischen Bibliothekswesens.

Die Deutschen Volksbibliotheken wurden vom preußischen Staat finanziell, organisatorisch und rechtlich unterstützt. Um die polnische Nationalbewegung zu schwächen, wurde repressiv gegen die Gründer polnischer Bibliotheken vorgegangen. Es kam zu Durchsuchungen von Büchersammlungen, der Beschlagnahmung von Post, zu Gerichtsverfahren und hohen Geldstrafen.

Mit der Abtretung oberschlesischer Gebiete nach 1918/21 wurden die meisten deutschen Volksbibliotheken in den entsprechenden Regionen zerstört oder in polnische Bibliotheken umgewandelt. Die verbliebenen deutschen Volksbibliotheken erhielten, außer Bibliotheken in größeren Städten (Kattowitz, Königshütte), keine finanzielle Unterstützung durch den polnischen Staat. Hinzu kam die Abwanderung deutscher Intellektueller, darunter auch vieler Bibliothekare.

Während meines zweimonatigen Aufenthaltes am Geheimen Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz (September bis Oktober) konnte ich die für mein Forschungsprojekt wichtigen Quellen über die Volksbibliotheken in Oberschlesien sichten (u.a. I. HA Rep. 76 Kultusministerium, I. HA Rep. 171 Deutscher Bevollmächtigter für die Abstimmungsbezirk Oberschlesien und I. HA Rep. 771 Literarisches Echo). Dank meiner Recherchen im GStA PK konnte ich die Tätigkeiten der deutschen und polnischen Volksbibliotheken in Oberschlesien für die Zeit des Ersten Weltkrieges und die Einflussnahmen des Preußischen Staates auf diese ermitteln. Hieraus wird ein Aufsatz entstehen. Meine Recherchen haben aber auch verdeutlicht, dass noch viele Dokumente zu sichten sind und einiges an Arbeit vor mir liegt. 

Den Archivarinnen und Archivaren des Geheimen Staatsarchivs möchte ich für ihr Entgegenkommen und für ihre freundliche Hilfsbereitschaft herzlich danken. 

Dr. Zdzisław Gębolyś, Bydgoszcz

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