Familienforschung
Die Erforschung der eigenen Familiengeschichte führt häufig zu unterschiedlichen Archiven und Einrichtungen. Im Folgenden erfahren Sie, welche Unterlagen des Geheimen Staatsarchivs für Ihre Familienforschung relevant sind und ob sich darunter für Ihre Recherche geeignete Quellen befinden.
Personenstandsunterlagen
Am Anfang jeder Bearbeitung einer Familiengeschichte sollte eine Überprüfung der familiären Überlieferung stehen. Die eigenen Erinnerungen, mündliche Erzählungen der Eltern, Großeltern und anderer Verwandten sowie bereits vorhandene Personenstandsunterlagen (Geburts-, Tauf-, Trau-, Sterbe- und Beerdigungsbescheinigungen) und andere Dokumente bilden den Ausgangspunkt für Ihre weitere Recherchen.
Wenn diese Möglichkeiten erschöpft sind, werden für Ihre Recherche zivile und kirchliche sowie gegebenenfalls militärische Personenstandsregister relevant. Sie enthalten Angaben über Geburten, Taufen, Eheschließungen und Todesfälle. Bis auf die militärischen Personenstandsunterlagen und einige wenige im Folgenden erwähnte Ausnahmen werden solche Quellen jedoch nicht im Geheimen Staatsarchiv PK aufbewahrt.
Die zivilen Personenstandsregister wurden in Preußen durch Gesetz zum 1.10.1874 eingeführt. Für Geburten, Eheschließungen oder Todesfälle, die vor diesem Zeitpunkt liegen, können sie daher nicht herangezogen werden. Die von den Standesämtern geführten Register befinden sich in den jeweils zuständigen Landesarchiven, beispielsweise im Brandenburgischen Landeshauptarchiv oder im Landesarchiv Berlin. Für die kirchlichen Personenstandsregister (die so genannten Kirchenbücher), die bis ins 17. Jahrhundert zurückreichen können, sind die zuständigen Kirchenarchive die entsprechenden Ansprechpartner, beispielsweise das Evangelische Landeskirchliche Archiv in Berlin oder das (katholische) Diözesanarchiv Berlin. Die genannten Archive dienen als Beispiele für die Zuständigkeit in Berlin und Brandenburg. Welches Archiv für Sie infrage kommt, richtet sich in der Regel nach dem Geburts- oder Wohnort der betreffenden Person.
Zu den militärischen Personenstandsunterlagen finden Sie hier weitere Informationen.
Preußische Ostprovinzen
Ein Sonderfall sind die ehemaligen preußischen Ostprovinzen Ostpreußen, Pommern, Posen, Schlesien und Westpreußen. Für deren Überlieferung ist das Geheime Staatsarchiv aufgrund des Gesetzes über die Stiftung Preußischer Kulturbesitz zuständig. Die Standesämter dieser preußischen Provinzen sind jedoch dem Standesamtes Berlin I, dem zentralen Auslandsstandesamt der Bundesrepublik Deutschland, zugewiesen worden. Heute werden diese Unterlagen im Landesarchiv Berlin aufbewahrt. Darüber hinaus befinden sich zahlreiche Personenstandsregister in polnischen Staatsarchiven und, sofern jüngeren Datums, auch noch in polnischen Standesämtern. Für die ehemalige Provinz Pommern ist zudem auf das Landesarchiv Greifswald hinzuweisen.
Die Kirchenbücher der ehemaligen Ostprovinzen wurden nach Kriegsende zunächst im Geheimen Staatsarchiv aufbewahrt, bald darauf aber den jeweiligen Glaubensgemeinschaften übergeben: dem Evangelischen Zentralarchiv in Berlin und dem (katholischen) Bischöflichen Zentralarchiv in Regensburg. Die an das Zentralarchiv in Regensburg übergebenen katholischen Kirchenbücher wurde später an die zuständigen Diözesanarchive in Polen abgegeben. Das Geheime Staatsarchiv besitzt heute daher lediglich einige wenige Kirchenbücher mennonitischer Gemeinschaften aus Ost- und Westpreußen für den Zeitraum 1766 bis 1905.
Überliefert ist im Geheimen Staatsarchiv eine geringe Anzahl von Kirchenbuchduplikaten aus der Provinz Ostpreußen, explizit aus Königsberg sowie den Kreisen Königsberg-Land und Fischhausen. Das Allgemeine Landrecht für die Preußischen Staaten von 1794 sah vor, dass jede Kirchengemeinde jährlich Abschriften der Kirchenbucheinträge anfertigten und zur Aufbewahrung den örtlichen Gerichten übergab. Dadurch sollte dem Verlust von Kirchenbüchern vorgesorgt werden. Mit der Einführung der Standesämter am 1.10.1874 wurde die Anfertigung von Kirchenbuchduplikaten jedoch obsolet. Die Kirchenbuchduplikate können somit ausschließlich Informationen aus dem Zeitraum von 1794 bis 1874 enthalten.
Juden- und Dissidentenregister
Im Geheimen Staatsarchiv ist außerdem ein äußert geringer Teil der so genannter Juden- und Dissidentenregister aus den ehemaligen Ostprovinzen und Berlin überliefert.
Diese Register entstanden im Zuge des Emanzipationsedikts von 1812, mit dem Juden zur Führung von festen Familiennamen verpflichtet wurden. Zu Dokumentationszwecken und für Rechtssicherheit wurden die Familiennamen registriert, zunächst von den lokalen christlichen Gemeinden, später von Landräten und Bürgermeistern und schließlich ab 1847 einheitlich von den Gerichtsbehörden erster Instanz, den Stadt- und Kreisgerichten. Die Juden- und Dissidentenregister enthalten neben jüdischen Bürgern auch Angehörige kleinerer christlicher Konfessionen sowie konfessionslose Personen. Mit der Einführung der (konfessionsübergreifenden) Standesämter wurde diese Registerführung eingestellt.
Im Geheimen Staatsarchiv liegen nur Juden- und Dissidentenregister aus Stettin (Provinz Pommern), Wreschen (Provinz Posen), Königsberg und Osterode (Provinz Ostpreußen) sowie aus Berent und Preußisch Stargard (Provinz Westpreußen) vor. Außerdem sind für Berlin Kopien vorhanden, die zurzeit des Nationalsozialismus für das Reichssippenamt angefertigt wurden.
Einwohnermeldekartei Liegnitz
Für die schlesische Stadt Liegnitz sind Filme der Einwohnermeldekartei überliefert, die aus Sicherungsgründen angefertigt wurden. Die noch vorhandenen Filme sind Kopien der ursprünglichen Sicherungsverfilmung. Die eigentliche Einwohnermeldekartei gilt als Kriegsverlust.
Die exakte zeitliche Einordnung der Kartei ist nicht möglich. Vermutlich entspricht die Kartei dem Einwohnerstand gegen Ende des Zweiten Weltkriegs. Durch Auslagerungen war die Kartei zum Zeitpunkt der Sicherungsverfilmung vermutlich bereits geschädigt, d.h. unvollständig.
Die einzelnen Karteikarten sind nicht immer streng alphabetisch geordnet; so wurden z. B. gleichlautende Familiennamen trotz unterschiedlicher Schreibung an einer Stelle des Alphabets zusammengefasst.
Genealogische Sammlungen
Darüber hinaus verfügt das Geheime Staatsarchiv über einige Sammlungen, die für die Familienforschung von Interesse sind. Eine Übersicht dieser Sammlungen finden Sie am Ende der Seite.
Personenbezogene Angaben in der Überlieferung der staatlichen Behörden
Personenbezogene Archivalien finden sich im Geheimen Staatsarchiv nur in geringem Umfang. Vor allem wird hier das Verwaltungsschriftgut der preußischen Zentralbehörden sowie, lediglich bruchstückhaft, der Provinzialbehörden der ehemaligen Ostprovinzen aufbewahrt, in den Informationen zu Privatpersonen nur selten zu finden sind. Um in Behördenakten Erwähnung zu finden mussten Privatpersonen in unmittelbaren Kontakt mit diesen gestanden haben oder selbst (höhere) Staatsbeamte gewesen sein. Zudem müssen diese Akten im Archiv tatsächlich überliefert sein.
Zwar gibt es Akten, die sich konkret mit einzelnen Personen befassen und über eine Namensuche in der Datenbank auffindbar sind, wie z. B. Personal- oder Testamentsakten, meistens tauchen Privatpersonen jedoch lediglich in Sammelakten sowie in Listen, Tabellen oder sonstigen Verzeichnissen innerhalb von Akten auf. Diese sind in der Regel in den Verzeichnungsinformationen der Archivalien nicht namentlich aufgeführt und daher über die Archivdatenbank oder die analogen Findmittel nicht recherchierbar.
Um etwaige Spuren einer Person dennoch zu finden, sind bereits im Vorfeld detaillierte Kenntnisse der Lebensstationen und -umstände erforderlich. Anhand dieser können zeitlich, geografisch und thematisch passende Bestände ermittelt werden. Die relevanten Akten sind vom Forschenden allerdings selbst zu ermitteln sowie vor Ort selbst oder einem beauftragten Recherchedienstleister durchzusehen. Im Sinne der Gleichbehandlung aller Nutzenden kann das Archiv keine Archivalien oder Findbücher für Sie einsehen oder auswerten.
Nutzen Sie für weitere Recherche gerne auch alle weiteren thematischen Wegweiser.
Bestände zur Provinz Ostpreußen
- VIII. HA, EKB: Duplikate evangelischer Kirchenbücher
- VIII. HA, J 2 Königsberg: Jüdische Personenstandsaufschreibung
- XX. HA, Rep. 18, Osterode, Nr. 1: Synagogenbuch der Gemeinde Osterode
- VIII. HA, EKB/M: Kirchenbücher von Mennonitengemeinden
Bestände zur Provinz Pommern
Bestände zur Provinz Posen
Bestände zur Provinz Schlesien
Bestände zur Provinz Westpreußen
- VIII. HA, EKB/M: Kirchenbücher von Mennonitengemeinden
- XIV. HA, Rep. 117: Juden- und Dissidentenregister Preußisch Stargard
- XIV. HA, Rep. 117, Nr. 1681 Personenstandsregister der Juden in der Stadt Berent
Bestand Reichssippenamt (Juden- und Dissidentenregister Berlin)
Genealogische Sammlungen
- XX. HA, Rep. 311: Wappen- und Stammtafelsammlung Johann Jakob Gallandi
- XX. HA, Rep. 312: Familienkundliche Sammlung Friedwald Moeller
- XX. HA, Rep. 316 Familien- und heimatkundliche Sammlung Charlotte Bartsch
- weitere Genealogische Sammlungen
- Personalschriften und Totenscheine
Kommerzielle und andere Anbieter
FamilySearch: Von der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage verfilmte und digitalisierte Kirchenbücher und Personenstandsregister
Ancestry: Onlineplattform für digitalisierte Kirchenbücher und Personenstandsregister
Archion: Gebührenpflichtiges Web-Portal der Evangelischen Kirche in Deutschland, auf dem unter anderem auch zahlreiche Kirchenbücher der ehemaligen deutschen Gebiete online zugänglich sind
Familienforschung in Westpreußen: Ausführliche Forschungshilfen, Informationen und Übersichten über vorhandene Quellen
Verwandte Themen:
Andere öffentliche Einrichtungen:
Private Einrichtungen
- Arbeitsgemeinschaft Ostdeutscher Familienforscher e.V.
- Brandenburgische Genealogische Gesellschaft „Roter Adler“
- Herold. Verein für Heraldik, Genealogie und verwandte Wissenschaften e. V.
- Pommersche Greif e.V
- Polskie Towarzystwo Genealogiczn
- Pomorskie Towarzystwo Genealogiczne
- Verein für Computergenealogie (CompGen) e.V.
- Verein für Familienforschung in West- und Ostpreußen e.V.


