Provenienzerschließung

Provenienzforschung beschäftigt sich mit der Herkunft von Kulturgütern. Anhand von Gebrauchsspuren, wie Stempeln, Exlibris (Bucheignerzeichen) oder handschriftlichen Notizen, werden Vorbesitzer ermittelt und buchgeschichtliche, biographische und geisteswissenschaftliche Zusammenhängen erhellt.

Mit Hilfe der Provenienzerschließung ermitteln die Bibliothekar*innen der Dienstbibliothek des Geheimen Staatsarchivs Preußischer Kulturbesitz, wem Bücher einst gehörten, wie die Bibliotheken von Vorbesitzern aussahen und wie das Geheime Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz in den Besitz dieser Bücher kam. Diese Informationen bilden bei Büchern eine dritte Erschließungsebene - neben der Titelaufnahme (Formalerschließung) und der inhaltlichen Erschließung. Sie stellt das Buch in seinen soziokulturellen und literaturwissenschaftlichen Kontext.

Verfahren und Ergebnisse

Grundlage für die Erschließung der Provenienzen in der Dienstbibliothek bildeten anfangs die Weimarer „Empfehlungen zur Provenienzverzeichnung“, seit 2017 die bereits fünf Jahre zuvor entwickelten Regeln der Arbeitsgemeinschaft Handschriften und Alte Drucke des Deutschen Bibliotheksverband. Diese sehen als Standards für die kooperative Provenienzerschließung die Verwendung normierten Vokabulars (Thesaurus der Provenienzbegriffe = T-PRO) sowie die Nutzung der Gemeinsamen Normdatei (GND) für den Nachweis von ermittelten Provenienzen beziehungsweise für die Ergebnisse der Provenienzrecherche vor.

Auf diese Weise konnten bisher über 5000 Provenienzmerkmale (Stand 2019) zu den Buchbeständen der Dienstbibliothek des Geheimen Staatsarchivs Preußischer Kulturbesitz exemplarspezifisch verzeichnet werden. Seit 2017 werden zusätzlich zu der Provenienzverzeichnung im Onlinekatalog zudem Einträge in dem kooperativ geführten ProvenienzWiki angelegt. Sofern die notwendigen Informationen über Privatpersonen oder Institutionen ermittelt werden können, wird die Gemeinsame Normdatei ergänzt. Die Provenienzen der Bibliotheksbücher werden kontinuierlich während einer Revision des gesamten Bestandes ermittelt und verzeichnet. 

Bücher aus dem Besitz Friedrich Nicolais

Beispiele für eine erfolgreiche Provenienzrecherche sind Bücher, die anhand des Exlibris dem früheren Besitz des bekannten Verlegers und Schriftstellers Friedrich Nicolai zugeordnet werden konnten. Der um 1800 in Berlin tätige Nicolai besaß damals die größte Privatbibliothek der Stadt. Später klebte sein Enkel und Erbe Gustav Parthey Etiketten mit dem Namen seines berühmten Vorfahren in die Bücher, verschenkte einen Großteil der Sammlung dann an die Königliche Bibliothek zu Berlin, welche doppelte Exemplare wiederum an andere Bibliotheken abgab. Aus der Zeit stammt der Bibliotheksstempel der Bücher, die an das Geheime Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz abgegeben wurden.

Während des 2. Weltkriegs wurden Nicolais ehemalige Bücher zusammen mit anderen Bibliotheksbeständen des Geheimen Staatsarchivs Preußischer Kulturbesitz ausgelagert. Nach Kriegsende gelangten sie in den Bestand der Dienstbibliothek des Zentralen Staatsarchivs Merseburg, was wiederum anhand von Bibliotheksstempeln nachweisbar ist. 1994 kehrten die in Merseburg verwahrten Bestände in das Geheime Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz zurück.

Provenienzen recherchieren

Um einzelne Provenienzen im Online-Bibliothekskatalog zu recherchieren, nutzen Sie den unten aufgeführten Suchschlüssel „prk“. Im ProvenienzWiki  finden Sie einen Überlblick über die bisher aufgenommenen Provenienzen aus dem Bestand der Dienstbibliothek.

Literatur

  • Hermann Parzinger: Provenienzforschung in Museen, Bibliotheken und Archiven - Originäre Aufgaben und aktuelle Anforderungen. In: Angelika Menne-Haritz u. a. (Hg.): Archive im Kontext. Öffnen, Erhalten und Sichern von Archivgut in Zeiten des Umbruchs. Festschrift für Prof. Dr. Hartmut Weber zum 65. Geburtstag, Düsseldorf: Droste 2010 (Schriften des Bundesarchivs 72), S. 13-25.
  • Michaela Scheibe u. Heike Pudler: Provenienzforschung /-erschließung an der Staatsbibliothek zu Berlin. Stand. Projekte. Perspektiven. In: Bibliothek. Forschung und Praxis 34 (2010), S. 51-56.
  • Michaela Scheibe: Methodische Überlegungen zur Provenienzerschließung, in: Sbornik Národniho Muzea v Praze = Acta Musei Nationalis Pragae, Reihe C, 58,3-4 (2013), S. 20-27.
  • Michaela Scheibe: Standards in der Provenienzerschließung. Bericht aus der Arbeitsgemeinschaft Handschriften und Alte Drucke in der Sektion IV des DBV, UAG Provenienzforschung und Provenienzerschließung, in: Zeitschrift für Bibliothekswesen und Bibliographie 61 (2014), S. 367-375

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