Briefe Alexander von Humboldts: „…durch den Urwald nach Charlottenburg“

News vom 18.09.2019

Geldnöte veranlassten den 77jährigen Alexander von Humboldt 1846 zu einem Darlehensgesuch.

Adressat war der Präsident der Preußischen Seehandlung Christian von Rother, der für seine liberale und wohltätige Gesinnung bekannt war. In einer Akte im Bestand der Preußischen Seehandlung sind die Bitte um ein Gespräch Humboldts sowie eine Rechnung über den „gegenwärtigen traurigen Geldzustand“ zum 1. Oktober 1846 überliefert: Humboldt erfragt, „wann Ihnen eine Unterredung mit mir nicht unangenehm sein würde. Jede Tagesstunde außer 2-5 (wegen häufiger Reisen durch den Urwald nach Charlottenburg) ist mir gleich.“

Nach der gewünschten Unterredung erhält Humboldt tatsächlich am 31. Dezember 1846 ein Darlehen von 6000 Talern, das Rother aufgrund des Vertrags Humboldts mit der Buchhandlung Cotta in Stuttgart über die fortgesetzte Veröffentlichung des „Kosmos“, dessen erster Band 1845 erschien, anweist. Es wird eine Rückzahlung in halbjährlichen Raten vereinbart und je nachdem, wie die Gelder von der Cottaschen Buchhandlung für den „Kosmos“ (Vertrag vom 1./12. März 1828 über 5000 Taler) und für die Geognostischen Fragmente an Humboldt eingehen. 1849 zahlt Humboldt auf eine Zahlungserinnerung hin dieses Darlehen in drei Raten an die Seehandlung zurück. Im Gegenzug werden ihm am 22. Dezember 1849 der Schuldschein, der als Sicherheit hinterlegte Verlagsvertrag von 1828 sowie ein versiegelt gebliebener Brief an den König ausgehändigt.

Aus Anlass der 250. Wiederkehr des Geburtstages Alexander von Humboldts soll an dieser Stelle ein Brief Humboldts vom 2. Dezember 1846 veranschaulichen, wie dankbar der große Naturwissenschaftler für die ihm gewährte finanzielle Hilfe war, die ihm die Fortsetzung der Arbeit am „Kosmos“ ermöglichte.

Ich bin innigst gerührt über das Wohlwollen, das Euer Excellenz mir schenken, über den zarten Ausdruck dieses Wohlwollens. Es muß da eine reiche Quelle der Gemütlichkeit vorhanden sein, wo mitten unter bedrängenden Staats-Geschäften, nach vielen Enttäuschungen und Erfahrungen des Undankes ein solcher Trieb anderen Freude zu machen, andern am Abend eines bewegten Lebens Ruhe zu verschaffen, sich so rein menschlich und wohltuend erhält. In dieser Betrachtung liegt der Ausdruck meines tiefen Dankgefühls. Ich werde Euer Excellenz in den nächsten Tagen, die Abschrift in der ich nichts zu ändern wüßte, da der Entwurf mit der größten Delicatesse abgefaßt ist, und zugleich auch einen offenen Brief an Seine Majestät den König vorzulegen wagen. Genehmigen Sie, theurester Minister, die erneuerte Versicherung der dankbaren Verehrung, mit der ich verharre,
Euer Excellenz
ganz gehorsamster A v Humboldt

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