Hochmeister ermordet. Tatort Marienburg 1330

News vom 15.06.2021

Das GStA PK präsentiert in loser Folge ausgewählte Archivalien der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Archivs aus deren Ordnungs- und Verzeichnungsarbeiten an den Beständen, Nachlässen und Sammlungen.

Marienburg
Marienburg, DerHexer; Carschten, Panorama of Malbork Castle, part 4, CC BY-SA 3.0

Über Kapitalverbrechen gibt es in Archiven zahlreiche Überlieferungen, beispielsweise von Strafgerichten, Staatsanwaltschaften oder Polizeidienststellen. Im Falle des Geheimen Staatsarchivs ist der Bestand des preußischen Innenministeriums hervorzuheben. In dessen Akten haben sich gelegentlich sogar Beweisstücke aus Ermittlungsverfahren erhalten.

Hochmeister ermordet
Aber auch in anderen Beständen gibt es immer wieder Aufzeichnungen zu Mord, Totschlag oder Raub. Ein besonders aufsehenerregender Fall ist in einer mittelalterlichen Urkunde aus dem Staatsarchivs Königsberg (XX. HA, Perg.-Urkk., Schieblade II, Nr. 4) anzutreffen: Sie schildert die Ermordung der seinerzeit wohl wichtigsten Person des mittelalterlichen Preußenlandes, des Hochmeisters Werner von Orseln, geschehen am 18. November 1330. Werner amtierte seit 1324. Er war das Oberhaupt der Deutschordensherrschaft in Preußen und höchster Vertreter des in ganz Europa operierenden Deutschen Ordens. 

GStA PK, XX. HA, Perg.-Urkk., Schieblade II, Nr. 4 © GStA PK / Christine Ziegler

Nach Abendgebet Mord
Die Urkunde wurde drei Tage nach dem Mord von allen preußischen Bischöfen ausgestellt. Vermutlich fürchteten die Bischöfe Kontroversen über den Mord und eine daraus resultierende Destabilisierung der Landesherrschaft; deshalb beurkundeten sie Tat und Tathergang.

Wie in der Urkunde ausgeführt wurde, habe sich Hochmeister Werner auf der Marienburg (poln. Malbork) zum Abendgebet in der Burgkirche eingefunden. Am Ausgang der Kirche, der so genannten Goldenen Pforte, habe ihm der Deutschordensbruder Johannes von Endorp in teuflischer Absicht aufgelauert und den Hochmeister bei dessen Austritt aus der Kirche mit einem Messer niedergestochen. Der Täter sei anschließend durch Diener des Hochmeisters gefasst worden.

Tatort Goldene Pforte, Marienburg, Pko, Malbork Zlota Brama, CC BY-SA 3.0

Täter und Tatort
Der in der Urkunde geschilderte Tathergang geht auf den Augenzeugen Johann Weiß, einem Notar, zurück; er soll sich unmittelbar hinter dem Hochmeister befunden haben. Der „Zeugenbericht“, der noch durch eine weitere Urkunde der preußischen Bischöfe ergänzt wird (XX. HA, Perg.-Urkk., Schieblade II, Nr. 4a), zeichnet das Bild eines geistig verwirrten Einzeltäters, was von der Forschung als glaubhaft angesehen wird.

Diskussionen entbrannten jedoch um den Tatort, denn hier ist auch die Kapelle des Hochmeisters im so genannten Hochmeisterpalast, der Bestandteil des Ensembles Marienburg ist, in Erwägung gezogen worden. Jüngst hat jedoch der Tatort „Goldene Pforte“ im Zuge baugeschichtlicher Forschungen weitere Zustimmung erfahren. 

Dom von Marienwerder, Kwipedia at Polish Wikipedia, Katedra Kwidzyn, CC BY-SA 3.0
 

Darstellung Werners von Orseln im Chor des Marienburger Doms, Anfang 16. Jh.

Werner von Orseln wurde im Dom von Marienwerder (poln. Kwidzyn) beigesetzt. 2007 wurden seine sterblichen Überreste entdeckt (Videoaufnahmen der Grabungen).

Schicksal des Mörders
Über das Schicksal des Straftäters berichtet eine zeitgenössische Chronik des Zisterzienserklosters Oliva, er habe sich im Gefängnis erhängt. 

Kerkerhaft als Strafmaß ist durchaus glaubwürdig, denn die Statuten des Deutschen Ordens nennen Kerkerhaft bei Tötung eines Ordensbruders explizit. Die Forschung geht derzeit davon aus, dass diese Bestimmung der Statuten sogar in direkten Zusammenhang mit der Ermordung Werners von Orseln zu sehen ist.

Tatmotiv ungeklärt
Über die Hintergründe und Motive der Tat ist bislang nichts bekannt geworden. Jedoch lädt Sie das Geheime Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz herzlich ein, diese im so genannten Deutschordensarchiv zu ergründen oder in anderen Beständen anderen Verbrechen auf die Spur zu kommen.

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