Revolutionär und Fabrikant: 200. Geburtstag von Friedrich Engels

News vom 27.11.2020

Vor 200 Jahren wurde Friedrich Engels am 28. November 1820 in einer Baumwollfabrikanten-Familie in Barmen geboren.

Auszug aus den Untersuchungsakten des Zuchtpolizeigerichts
Auszug aus den Untersuchungsakten des Zuchtpolizeigerichts © GStA PK / Katja Dziakowski

Vor 200 Jahren wurde Friedrich Engels am 28. November 1820 in einer erfolgreichen Baumwollfabrikanten-Familie in Barmen (heute Wuppertal) geboren. Sein Vater hinderte den bildungshungrigen jungen Friedrich an Gymnasialabschluss und Studium und drängte ihn in eine kaufmännische Ausbildung. Dennoch machte sich Friedrich Engels bald liberale und sozialkritische Ideen zu eigen, las philosophische und religionskritische Schriften und begann selbst Aufsätze und Rezensionen in Zeitungen zu veröffentlichen. 


Während Engels seine Ausbildung ab 1842 im väterlichen Unternehmen in England abschloss, erlebte er die Ausbeutung der Arbeiter im Manchesterkapitalismus, aber auch den Widerstand der organisierten Arbeiterbewegung. Engels‘ Schrift „Die Lage der arbeitenden Klasse in England“ erschien 1845 und erhielt viel Beachtung. 


Zu dieser Zeit hatte er bereits Kontakt zu Karl Marx, publizierte und agitierte mit ihm gemeinsam für die kommunistische Bewegung. Im Februar 1848 veröffentlichten sie das Kommunistische Manifest, im Mai die „Forderungen der Kommunisten Partei“, die als Beilage eines Spitzelberichts aus England in der Akte „Berichte über die revolutionären Umtriebe der politischen Flüchtlinge in England sowie den dort bestehenden deutschen Verein zur Vorbereitung kommunistischer revolutionärer Tendenzen, Bd. 1“, 1837-1851 (GStA PK, I. HA Rep. 77, Tit. 509 Nr. 43 Bd. 1) im Bestand Ministerium des Innern überliefert sind. 


Marx und Engels unterstützten mit der Neuen Rheinischen Zeitung die Märzrevolution 1848 in Deutschland. Im Jahr darauf beteiligte sich Engels als Kommandant aufständischer Landwehrsoldaten am Elberfelder Aufstand, einer von vielen Erhebungen, die Demokraten organisierten, weil der preußische König Friedrich Wilhelm IV. die Anerkennung der durch die Frankfurter Nationalversammlung beschlossenen Reichsverfassung verweigerte. Bereits zuvor in England polizeilich überwacht, begann nach dem Ende dieses Aufstands die strafrechtliche Verfolgung von Friedrich Engels und den anderen Beteiligten, so dass Engels von den preußischen Polizeibehörden steckbrieflich gesucht wurde und nach England floh. 


In der Akte „Die Unruhen in Elberfeld und Solingen im Jahre 1849, Band 2“ des preußischen Justizministeriums (GStA PK, I. HA Rep. 84a, Nr. 58534) ist ein Vorgang zu Engels enthalten. Die Akte gehört zu ca. 20 Akten in dieser Überlieferung, die zu den Strafverfahren gegen Teilnehmer an revolutionären Aktionen 1848/49 in mehreren preußischen Regierungsbezirken geführt wurden. In der genannten Akte ersuchte der Hofprediger und Konsistorialrat Karl Wilhelm Snethlage, Patenonkel von Friedrich Engels, den Innenminister Graf von Schwerin am 19. März 1860 um Auskunft, ob und unter welchen Bedingungen dem in England lebenden Friedrich Engels für einen 14tägigen Besuch seiner Familie und seines todkranken Vaters trotz der Anschuldigungen „wegen Verbrechen gegen die Sicherheit des Staates“ freies Geleit zugesichert werden könnte. 


Diese befristete Befreiung von einer Strafverfolgung verfügte der Justizminister Simons am 23. März 1860 gegenüber dem Oberprokurator von Elberfeld und forderte zugleich Bericht über den Stand der Untersuchung. Der Bericht des Oberprokurators vom 28. März nennt die Anschuldigungen, die Ergebnisse der strafrechtlichen Untersuchung und resümiert, dass inzwischen eine Verjährung der Straftaten eingetreten sei. 


Engels‘ Mutter ersuchte darüber hinaus am 9. Juli 1860 die Aufhebung der ihrem Sohn wegen dessen Flucht auferlegten nachträglichen Erfüllung seiner Militärpflicht bzw. um Erlass der verhängten Geldbuße. Dieses Gesuch beschied der Justizminister jedoch am 21. August ablehnend. 


Der Akte ist ein Auszug aus den Untersuchungsakten des Zuchtpolizeigerichts vom 18. Februar 1860 gegen „Friedrich Engels und Konsorten aus Barmen“ beigefügt. Schließlich wies der Justizminister den Oberprokurator am 30. November 1860 an, auch die übrigen Beschuldigten über die inzwischen eingetretene Straffreiheit zu bescheiden. 


Friedrich Engels ist heute vielen vor allem als Freund, Unterstützer und Herausgeber des politischen Philosophen und Ökonomen Karl Marx bekannt. Schon das allein rechtfertigt gewiss das Gedenken an Friedrich Engels, der auch für die Fertigstellung und Verbreitung „Des Kapitals“ nach Marx‘ Tod sorgte. 


Engels hat überdies wichtige historische, gesellschaftstheoretische und philosophische Arbeiten hinterlassen und sich zeitlebens für die deutsche und internationale Arbeiterbewegung engagiert. Jürgen Kocka betonte kürzlich: „Vor allem mit Blick auf die Krisen des Kapitalismus und die für ihn typischen Ungerechtigkeiten hat Engels, in enger Verbindung mit Marx, hellsichtig Probleme erkannt und mutig bekämpft, die auch heute noch bestehen.“ (Neue Gesellschaft. Frankfurter Hefte, 11/2020, S. 7)

Forderungen der Kommunistischen Partei. Beilage eines Informantenberichts aus London © GStA PK / Katja Dziakowski

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