Der Mann, der Preußen erfand

News vom 16.02.2020

Teil 1 der Serie zum 400. Geburtstag des ‚Großen Kurfürsten‘ Friedrich Wilhelm von Brandenburg.

Der Mann, der Preußen erfand: Friedrich Wilhelm von Brandenburg, der ‚Große Kurfürst‘, hat während seiner Regierungszeit 1640 bis 1688 mit seiner pragmatisch-entschlossenen und reformfreudigen Regierungspolitik die Grundlagen gelegt für den späteren Aufstieg Brandenburg-Preußens zur Großmacht und der Hohenzollern zu einem der führenden deutschen Herrscherhäusern.

Am 16. Februar 2020 jährt sich sein Geburtstag zum 400. Mal: Grund genug, dass das Geheime Staatsarchiv in diesem Jahr besonders an ihn denkt. In loser Folge werden wir Archivalien mit Bezug zu seiner Person und seiner Zeit vorstellen. Am Beginn der Serie steht mit dem Großen Adlerwappensiegel von 1648 ein Symbol der Macht.

Unter seinen Fittichen - das Große Adlerwappensiegel des brandenburgischen Kurfürsten Friedrich Wilhelm

Ursprünglich beschränkten sich die Besitzungen der hohenzollernschen Markgrafen auf die Mark Brandenburg selbst. Durch dynastische Erbschaften und Käufe zu Anfang des 17. Jahrhunderts vergrößerten sie ihren Besitz, so dass ein weit verstreutes Herrschaftsgebiet zwischen dem preußischen Königsberg und dem niederrheinischen Kleve entstand, das anfangs nur durch die Person des Herrschers miteinander verbunden war. Die Siegel der brandenburgischen Kurfürsten bekräftigten diesen Machtanspruch, indem sie über entsprechende Siegelbilder die kurfürstliche Stellung vor Augen führten.

Gern nahm man dabei Bezug auf den übernationalen Herrschaftsraum, das Heilige Römische Reich. So tauchte der Adler als Symbol des Reiches und der kaiserlichen Macht ab dem 13. Jahrhundert regelmäßig in Siegeln und Münzen brandenburgischer Landesherrn auf, um ihre Stellung als Reichsfürsten zu verdeutlichen. Unter Kurfürst Friedrich Wilhelm finden wir den Adler zum ersten Mal auf einem Wappensiegel wie dem Großen Adlerwappensiegel von 1648, hier abgebildet über den zugehörigen Siegelstempel.

Die Bezüge zur Reichssymbolik sind deutlich: an die Stelle des Kruzifixes auf dem Brustschild des Reichsadlers tritt beim brandenburgischen Wappentier das Kurzepter als Zeichen der Kurwürde, die auf seinen Flügeln abgebildeten 24 Wappenschilde der zu Kurbrandenburg gehörenden Territorien spiegeln ähnlich platzierte Darstellungen der Wappen der Reichsstände auf den Schwingen des Reichsadlers wider, wie dieser von der Reichskrone wird der brandenburgische Adler vom Kurhut bekrönt.

Großes Adlerwappensiegel des Großen Kurfürsten Friedrich Wilhelm von Brandenburg (1640-1688)

(Siegelbeschreibung erstellt durch Dr. Ingrid Männl)

Signatur des Siegelstempels: GStA PK, VIII. HA Siegel, Wappen, Genealogie, IV Siegelstempel, Abt. I, Nr. 38

Seit 1648. Rund. Ø 102 mm

Legende: * FRID[ERICVS]. WILH[ELMVS]. D[EI]: G[RATIA]. MAR[CHIO]. BRAN[DENBVRGENSIS]. S[ACRI]. R[OMANI]. I[MPERII]. ARCHIC[AMERARIVS]. & PR[INCEPS]. EL[ECTOR]. MAG[DEBVRGI]. PRVS[SIAE]. I[VLIACI]. C[LIVIAE]. M[ONTIVM]. S[TETTINI]. P[OMERANIAE]. C[ASSVBIORUM]. V[ANDALORUM]. IN. S[ILESIA]. C[ROSNAE]. & C[ARNOVIAE]. DVX. BVRG[GRAVIVS]. N[ORIMBERGENSIS]. PR[INCEPS]. HALB[ERSTADII]. & MIN[DAE]. C[OMES]. M[ARCAE] & R[AVENSBERGI]. D[OMINVS] I[N]. R[AVENSTEINIO]

Übersetzung: Friedrich Wilhelm, von Gottes Gnaden Markgraf zu Brandenburg, des Heiligen Römischen Reiches Erzkämmerer und Kurfürst, zu Magdeburg, in Preußen, zu Jülich, Kleve, Berg, Stettin, Pommern, der Kassuben und Wenden, auch in Schlesien zu Krossen und Jägerndorf Herzog, Burggraf zu Nürnberg, Fürst zu Halberstadt und Minden, Graf zu der Mark und Ravensberg, Herr in Ravenstein

Siegelbild: Bewehrter und mit dem Kurhut gekrönter Adler. Seine Brust mit dem Kurschild, seine Flügel mit 24 Wappenschilden belegt

abgebildete Wappenschilde: Kurschild,  Magdeburg, Preußen, Jülich, Kleve, Berg, Nürnberg, Stettin, Pommern, Kassuben, Wenden, Neu-Stargard, Krossen, Jägerndorf, Halberstadt, Minden, Mark, Ravensberg, Usedom, Barth, Wolgast, Gützkow, Zollern, Ruppin

Publikation zum Thema: Christiane Brandt-Salloum: Adlers Fittiche

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