Preußen, Königreich und Provinz Ostpreußen (1701-1945)

Als Gegenleistung für die militärische Unterstützung habsburgischer Ansprüche auf die spanische Erbfolge 1701 ließ sich Kurfürst Friedrich III. zum König Friedrich I. in Preußen krönen – diese Einschränkung erfolgte aus Rücksicht auf das zunächst noch polnische Westpreußen (Polnisch beziehungsweise Königlich Preußen). Erst als im Zuge der Ersten Polnischen Teilung 1772 Preußen mit dem Ermland, Pogesanien, Pomerellen und dem Netzedistrikt ebendieses Territorium für sich beanspruchen konnte, bezeichnete sich der Landesherr als König von Preußen. Das Ermland wurde dem bisherigen Preußen zugeschlagen und das gesamte Territorium als Provinz Ostpreußen benannt, die übrigen neuen Landesteile zur Provinz Westpreußen zusammengefasst. Ab 1824 waren die Provinzen Ost- und Westpreußen zur Provinz Preußen unter einem Oberpräsidenten vereinigt, bis 1878 eine erneute Trennung in wieder eigenständige Verwaltungsbereiche erfolgte. Von den territorialen Veränderungen im Zuge des Versailler Vertrags 1919 blieb die Provinz Ostpreußen kaum berührt; nur das Memelgebiet (Kreise Memel Stadt und Land, Heydekrug, Niederung, Ragnit, Tilsit Stadt und Land) gelangte unter französische Verwaltung im Auftrag des Völkerbundes und wurde 1923 von Litauen annektiert. Nach Ende des Zweiten Weltkriegs erfolgte dann auf Beschluss des Alliierten Kontrollrats am 25. Februar 1947 die Auflösung des Staates Preußen; das Gebiet seiner Provinz Ostpreußen kam an die UdSSR und Polen.

Archivalien

Für das Jahrhundert nach der Königskrönung enthält der Bestand XX. HA Historisches Staatsarchiv Königsberg, Ostpreußische Folianten umfangreichere Quellen besonders zur Finanz- und Wirtschaftsgeschichte. Das gilt besonders für die Wiederbesiedlung des östlichen Landesteils nach der Pest von 1709. Zu beachten sind die Überlieferungen der von den Landesherren neu geschaffenen Behörden wie zum Beispiel die Generalhufenschosskommission (XX. HA, GHS), deren Protokolle das vormalige Herzogtum flächendeckend erfassen, und die 1723/24 und 1736 entstandenen Kriegs- und Domänenkammern Königsberg und Gumbinnen (Sachakten XX. HA, Rep. 5 bzw. 8, Amtsbücher XX. HA, (diverse Ostpreußische Folianten) Aus den nachgeordneten Domänenämtern stammen die Prästationstabellen (XX. HA, PT), die die landesherrliche abgabepflichtige Bevölkerung erfassen, ab etwa 1815 kreisweise fortgeführt bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts (siehe ausführlicher Schlagwort ‚Prästationstabellen‘).

Aus dem 19./20. Jahrhundert hat das Verwaltungsschriftgut des Oberpräsidenten der Provinz Ostpreußen die Auslagerung von 1944/45 (siehe Schlagwort Königsberg, Historisches Staatsarchiv) als bedeutender Teilbestand überstanden (XX. HA, Rep. 2). Trotz zahlreicher Lücken enthält er viele Vorgänge zu Verwaltung, Wirtschaft und anderen Bereichen. Umfangreicher sind die Akten zur Bewirtschaftung während des Ersten Weltkriegs und zum Wiederaufbau in den Jahren danach.

Von den Regierungspräsidenten Königsberg und Gumbinnen (XX. HA, Rep. 10 beziehungsweise Rep. 12) gibt es an Sachakten nur Restbestände, jedoch umfangreiche Plankammerbestände (XX. HA, PKK beziehungsweise PKG), deren Überlieferungen bis in die Zeit der Kriegs- und Domänenkammern zurückreichen. Von der Katasterabteilung der Regierung Königsberg sind Akten vorwiegend für die Stadt Königsberg und die Samlandkreise erhalten (XX. HA, Rep. 10 K), die durch einen umfangreichen Kartenbestand (XX. HA, KKO) ergänzt werden (siehe auch Schlagwort Grundbücher, Katasterunterlagen).

Das Aufkommen der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei in Ostpreußen lässt besonders das Gauarchiv (XX. HA, Rep. 240) dieser Partei erkennen, das hauptsächlich für die Jahre 1930-1935 überliefert ist.

Literaturauswahl:

  • Breslavskiene, Laima und Sven Ekdahl: Der Bestand „Klaipedos krastas“ („Das Memelgebiet“) im Zentralen Staatsarchiv Litauens, Vilniuzs (Wilna). In: Preußenland 36 (1998).
  • Brockfeld, Susanne: Geschichten aus der Provinz. Die Jahre 1933-1945 im Spiegel ost- und westpreußischer Provinzialüberlieferung, Berlin 2015, S. 191-208.
  • Jähnig, Bernhart: Der Bestand "Oberpräsidium Königsberg" des Staatsarchivs Königsberg im Staatlichen Archivlager Preußischer Kulturbesitz in Göttingen. In: Preußenland 15 (1977).
  • Jähnig, Bernhart: Amtsrechnungen und andere Akten der Kriegs- und Domänenkammern des historischen Staatsarchivs Königsberg im Gebietsarchiv Kaliningrad. In: Preußenland 32 (1994).

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